Garantiert hast du Neujahrsvorsätze – und natürlich willst du diese Vorsätze einhalten. Mehr Sport, besser Essen, Rauchen aufhören, mehr Lernen, eine Beförderung bekommen, ein Buch schreiben (einer meiner wichtigsten Neujahrsvorsätze), weniger Süßigkeiten, mehr Zeit mit der Familie verbringen, mehr Geld sparen, … die Liste an Beispielen, was wir uns für das neue Jahr vornehmen können, ist endlos lang.

Vielleicht hast du bereits eine kleine Liste geschrieben (egal ob mit Stift und Papier, digital oder mental) und bist hochmotiviert, bald anzufangen. Du suchst dir Strategien, erstellst Pläne (zum Beispiel einen Jahresplan oder einen Lernplan), liest motivierende Blogposts, kaufst dir die passende Ausrüstung, mit der du deine Vorsätze einhalten willst. Das ist wunderbar und ich will dich in deiner Motivation gar nicht ausbremsen (auf Motivationsbremsen stoßen wir ja nun wirklich schon genug, durch Andere, aber vor allem uns selbst) – doch ich möchte dir dennoch ans Herz legen, nochmal kurz innezuhalten.

Neujahrsvorsätze – warum mache ich das eigentlich?

Ich glaube, genauso wichtig, wie gute Strategien zum Umsetzen deiner Vorsätze, ist es, deine Gründe genauestens zu kennen. Suchst du dir oft Ziele, an denen du recht schnell scheiterst? Ich wette in 90% der Fälle liegt es daran, dass du deine Motivation verlierst. Und die verlierst du, weil du dir ein eher oberflächliches Ziel gesucht hast, ohne dir Gedanken darüber gemacht zu haben, warum du das überhaupt erreichen willst.

Gewaltfreie Kommunikation & Neujahrsvorsätze

Die Idee zu diesem Blogpost kam mir während eines Vortrags, bei dem es um gewaltfreie Kommunikation (GFK) ging. Ich möchte gar nicht lange erklären, was GFK ist, denn darum soll es hier gar nicht gehen, aber ein klein wenig Hintergrundwissen kann ja nicht schaden, oder? Bei GFK geht es darum, durch Empathie und das bewusste Sprechen über Gefühle Konflikte zu lösen. Das kann sowohl in privaten Beziehungen als auch in Firmen angewendet werden.
Was das jetzt mit deinen individuellen Neujahrsvorsätzen zu tun hat? Im Grunde erstmal eher wenig. Bei GFK geht es ja schließlich darum, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, deine Vorsätze fürs neue Jahr sind aber meist eher sehr persönliche Entscheidungen. Aber der GFK basert auf einem Grundsatz, der total simpel klingt, aber unfassbar viel ausmachen kannst, wenn du ihn bewusst bedenkst.

Bedürfnisse & Strategien

ALLE Menschen haben eine Sache gemeinsam: Wir haben Bedürfnisse. Und meistens sogar sehr ähnliche Bedürfnisse, die wir jedoch mit unterschiedlichen Strategien befriedigen wollen. Bei der GFK konzentriert man sich mehr auf die Bedürfnisse und weniger auf die Strategien. Schnelles Beispiel: Zwei WG-Mitbewohner kommen abends nach einem langen Tag nach Hause, beide müde und erschöpft, beide haben das dringende Bedürfnis nach Entspannung. Für die eine Person bedeutet das, sich mit einem Buch ins Bett zu fläzen. Für die andere Person bedeutet Entspannung, Heavy Metal zu hören – auf voller Lautstärke. Beide haben das gleiche Bedürfnis nach Entspannung, trotzdem ist ein Konflikt vorprogrammiert.

Statt sich jetzt wegen der Strategien Ruhe und Laute Musik in die Haare zu bekommen, setzt die GFK darauf, das grundlegende Bedürfnis des anderen zu verstehen. So bringt man viel mehr Verständnis auf und eine gemeinsame Lösung des Konflikts fällt leichter, wenn man sich immer wieder fragt Wieso reagiert der Gegenüber so? Welches Bedürfnis will er befriedigen? Warum ist sie gerade so wütend?
Du verstehst jemand anderes garantiert besser, wenn dir klar wird, welches Bedürfnis hinter seiner Handlung steckt. Entspannung, Sicherheit, Anerkennung, Nähe, Geborgenheit, Verstandenwerden, Sättigung, – ich wette, du verspürst jedes dieser Bedürfnisse regelmäßig. Genauso, wie Menschen, die sich auf den ersten Blick total von dir unterscheiden, völlig andere Dinge anstreben.

Deine Neujahrsvorsätze umsetzen, um Bedürfnisse zu befriedigen

Bedürfnisse und Strategien ist jetzt plötzlich doch sehr nah an Neujahrsvorsätzen, als man im ersten Moment bei der gewaltfreien Kommunikation dachte, oder? Ich bin davon überzeugt, dass die Grundannahme der GFK nicht nur in der Kommunikation mit anderen hilfreich ist, sondern auch – ja, das klingt albern und esotherisch 😀 – in der Kommunikation mit dir selbst.
Die meisten Vorsätze sind Strategien, keine Bedürfnisse. Also etwas, das wir tun, um eines oder mehrere unserer Bedürfnisse zu befriedigen. Bessere Ernährung – dahinter kann das Bedürnis nach Gesundheit stehen, aber auch das Bedürfnis nach Anerkennung durch Gewichtsabnahme, oder das Bedürfnis, seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Jeder hat andere Gründe für einen Vorsatz und meistens sind wir uns darüber gar nicht so wirklich im Klaren.

So hilft dir die Kentniss über deine Bedürfnisse beim Umsetzen deiner Neujahrsvorsätze

Auf zweierlei Arten kannst du deine Vorsätze besser einhalten, wenn du dir Gedanken zu den Bedürfnissen machst, die dahinter stecken.
Zuerst kannst du Vorsätze aussortieren, für die du gar keine richtige Motivation hast. Ohne richtiges Bedürfnis fehlt die Motivation. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn du dich von anderen zu einer Vorsatz hast überreden lassen. Oder du aus einer Laune heraus entscheidest, irgendetwas zu tun. Oft wollen Menschen zum Beispiel abnehmen, weil ANDERE ihnen sagen, dass sie es müssen, statt aus sich selbst heraus zu entscheiden, ihr Bedürfnis nach Gesundheit, Fitness, mehr Ausdauer, Beweglichkeit oder ähnliches zu befriedigen.
Zweitens kann es dir ungemein helfen, deine Motivation zu behalten, wenn du haargenau weißt, warum du deine Vorsätze einhalten willst. Jedesmal, wenn du den Mut verlierst, kannst du dir wieder ins Gedächtnis rufen, WARUM du genau diese Sache schaffen willst. Und achte darauf, ob es oberflächliche Gründe sind, oder wirlich deine persönlichen Bedürfnisse.

Die richtigen Gründe und Vorsätze

  • Ich will abnehmen, um schlank zu sein. Vs Ich will abnehmen, weil ich wieder leichter die Treppen hinaufsteigen können will.
  • Ich will befördert werden, weil sich das so gehört. Vs. Ich will befördert werden, weil ich mich nach neuen, herausfordernden Tätigkeiten sehne.
  • Ich will mehr Geld sparen, weil es mir ein gutes Gefühl gibt. Vs. Ich will mehr Geld sparen, weil ich am Ende des Jahres endlich meinen Traumurlaub antreten will.
  • Ich will aufhören, zu Rauchen, weil es ungesund ist. Vs. Ich will aufhören zu rauchen, weil ich wieder besser atmen möchte und das Risiko für Krankheiten verringern möchte.
  • Ich will mehr Lernen, um bessere Noten zu bekommen. Vs. Ich will mehr lernen, weil ich Medizin studieren will und einen bestimmten Notendurchschnitt brauche.

Kleine Aufgabe für dich

Kram deine Liste mit den Neujahrsvorsätzen heraus, die du umsetzen willst, und erweitere sie um deine Bedürfnisse, die du mit jedem Vorsatz befriedigen willst. Überlege dir zu jedem einzelnen Punkt genau, ob dich wirlich ein Bedürfnis treibt, das dich glücklich macht!

Aufgaben für Fortgeschrittene

Lass dich von Rückschlägen nicht aufhalten. Du darfst auch mal schwach sein. Du darfst auch mal einen Sporttag ausfallen lassen. Und du darfst dir einen freien Tag vom Lernen nehmen. Wichtig ist nur, dass du anfängst und nicht aufgibst, wenn du etwas wirklich willst.
Überdenke deine Vorsätze immer wieder. Merkst du, dass dich die Arbeit am Vorsatz glücklich macht? Spürst, du, dass du einem Ziel näher kommst, das dich glücklich maht? Weiter machen! Merkst du, dass ein Vorsatz vielleicht gar nicht das Wahre war? Es erfordert auch viel Kraft, einen Vorsatz bewusst aufzugeben. Aber wenn es dich nicht weiterbringt, nicht glücklich macht, ist es vielleicht die richtige Entscheidung, aufzuhören.

Mehr zum Thema

Schau auch in meinen anderen Blogbeitrag zum Thema Neujahrsvorsätze rein, wenn dich jetzt die Motivation gepackt hat. 🙂

Ich möchte dir auch das Buch Gewaltfreie Kommunikation * ans Herz legen, das diesen Blogpost inspiriert hat. Zum Thema Gewaltfreie Kommuniktion wird es bald auch noch einen gesonderte Blogbeitrag geben, in dem ich das ganze System näher erkläre.

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