Ich bin eine Scanner Persönlichkeit. Eines meiner liebsten Hobbys ist der RPG Maker. Damit kann man Computerspiele im Retrolook »programmieren«. Diesem Hobby bin ich seit einigen Monaten nicht mehr nachgegangen und so langsam packt mich wieder die Lust. Aber genauso möchte ich Manga zeichnen, Romane schreiben, die Natur fotografieren, Aquarelle malen,… Es gibt TAUSENDE Dinge, die ich liebend gern tun würde. Und das entscheiden fällt oft schwer.
Von der Scanner Persönlichkeit hörst du heute vielleicht zum ersten Mal, denn in der heutigen Zeit gehört man als Scanner nicht grade zu den gefragtesten Typen. Ziemlich schade, denn so wie jeder Menschentyp Stärken und Schwächen in sich vereint, kann die oft als sprunghaft, wankelmütig und sogar faul bezeichneten Scanner Persönlichkeit Großes erreichen. Wenn sie lernt, ihre Stärken einzusetzen.

Was ist eine Scanner Persönlichkeit

Scanner Persönlichkeit

Ganz einfach gesagt: Jemand, der sehr vielen Interessen mit Leidenschaft nachgeht. Oder nachgehen möchte. Oft geht das leider nicht, weil von Außen oder von Innen Druck kommt, sich zu entscheiden. Dazu später mehr.
Wenn du dich in einigen dieser Merkmale wiedererkennst, könntest du eine Scanner Persönlichkeit sein:

  • Viele Talente
  • Viele Interessen
  • Große Neugierde
  • Interessen in verschiedenen, oft sehr unterschiedlichen Themenbereichen
  • Unzählige Idee, die du realisieren willst
  • Das Gefühl, nie genug Zeit zu haben
  • Du findest nicht das EINE Lebensziel/Karriereziel
  • Du kannst dich nicht entscheiden, was du als nächsten tun willst
  • Abgebrochene Ausbildungen und Studiengänge
  • Du LIEBST den Wahlpflichtbereich in der Uni
  • Du brauchst neue Herausforderungen, um dich nicht zu langweilen
  • Beherrscht du Dinge einigermaßen, möchtest du etwas neues lernen

Welcher Scanner Typ bist du?

Barbara Sher, sozusagen die »Erfinderin« von der Scanner Persönlichkeit, unterscheidet 9 verschiedene Scanner Typen. Niemand passt genau in eine Gruppe, aber für jede Scanner Persönlichkeit gibt es eigene Strategien, die Barbara Sher in ihrem Buch »Du musst dich nicht entscheiden, wenn du 1000 Träume hast« * beschreibt.
Ich bin zum Beispiel eine Mischung aus der Sibylle und dem Wanderer. Ich habe eine (lange, lange) Liste mit Hobbys und Interessen, die ich immer wieder zyklisch ablaufe. Ein paar Tage, Wochen oder manchmal auch Monate beschäftige ich mich ganz intensiv mit Thema A, danach das gleiche mit Thema B, dann folgt C, D, E… bis ich irgendwann erneut bei A angelange. Die Reihenfolge ist nicht starr festgelegt, aber im Grunde erwische ich mich immer wieder dabei, ganz plötzlich diese eine Sache zu machen, die ich doch vor ein paar Monaten schon mal so geliebt habe. Gleichzeitig probiere ich aber immer wieder neue Dinge aus, typischerweise ein bis zwei Wochen lang.
Es gibt noch Typen wie den Doppelagenten, der lediglich zwei Leidenschaften hat und sich hin und her gerissen fühlt, den Universalisten, der vieles gut kann, aber weniges so richtig beherrscht oder den Serienspezialisten, der einige Jahre völlig in einem Thema aufgeht, um dann mit etwas neuem anzufangen.

Wieso es die Scanner Persönlichkeit schwer hat

Scanner Persönlichkeit

Platon, Aristoteles und viele weitere große Denker waren höchstwahrscheinlich Scanner Persönlichkeiten. Philosophie, Mathematik, Ethik, Anthropologie, Kosmologie, Kunsttheorie,… die Philosophen von damals mit ihren zahlreichen Interessen- und Forschungsgebieten würde man heute belächeln. »Du ziehst nie etwas durch«, »Langsam solltest du dich mal festlegen« oder »Entscheide dich doch mal« sind Sätze, die eine Scanner Persönlichkeit ständig hört.
Uns wird von klein auf beigebracht, wie wichtig es ist, uns zu spezialisieren. Spätestens nach der Schule kommt der Punkt, an dem wir uns entscheiden MÜSSEN. Für EIN Studium, für EINEN Beruf, für EINEN Lebensweg. Du liebst Mathe und malst gerne? Dann werde Mathematiker. Malen kannst du, wenn du sie hast, in deiner Freizeit. Ab und zu. Anders geht es nicht. Oder?
Zwei Leidenschaften lassen sich noch gut vereinen, aber was tut man, wenn es fünf sind. Oder zehn. Vielleicht über zwanzig? So viel Freizeit besitzt niemand.
Doch unsere Gesellschaft lebt von der Spezialisierung, von Experten. Und da passen Scanner Persönlichkeiten einfach nicht rein. Aber du musst dich nicht verbiegen. Es gibt Wege und Möglichkeiten, deine Leidenschaften auszuleben.

Ein Leben als Scanner Persönlichkeit

Die erste Möglichkeit ist, dich tatsächlich für etwas zu entscheiden. Für manche kann das klappen – andere brechen darunter irgendwann zusammen. Bei mir trat das nach drei Jahren Vollzeitjob als Mediendesignerin für Computerspielverpackungen ein. Ich dachte, ich liebe Mediendesign, und das tat ich auch. Doch JEDEN Tag meines Lebens damit verbringen, die gleichen ollen Spielverpackungen zu designen? Das hielt ich nicht mehr aus.
Mein Weg: Mich selbstständig zu machen. Jetzt schreibe ich Bücher, fotografiere Essen, helfe Menschen, designe Webseiten, dekoriere mein Bullet Journal, lerne Hand Lettering, lese Bücher über die Physik der Zukunft, reise und koche. Wenn mir grade die Lust auf Dear Life Themen fehlt, schreibe ich etwas auf deinbuchschreiben.de. Oder kochen veganes Essen. Oder fotografiere Fantasybücher. Und ich bin GLÜCKLICH damit.

Akzeptieren statt abtrainieren

Der erste Impuls – oder auch ein jahrelanger Impuls – der Scanner Persönlichkeit ist es, sich festzulegen. Damit begehen die meisten einen großen Fehler. Sie unterdrücken das, was eigentlich ihre größte Stärke sein könnte.
Je nach Scanner Typ gibt es wie gesagt verschiedene Strategien, die allesamt darauf aufbauen, deine Persönlichkeit zu akzeptieren. Es geht niemals darum, wie du dich für eine Sache entscheiden kannst, sondern wie du den für dich perfekten Weg findest, um deine Persönlichkeit auszuleben.
Ein beliebter Weg ist die Selbstständigkeit, den auch ich gehe. Andere finden feste Jobs, in denen ihre vielen Interessen gefragt sind. Manche nehmen sich viel Freizeit, um dort ihren Hobbys nachzugehen. Andere wiederum wechseln alle paar Jahre ihren Job, gehen in eine andere Abteilung oder ein anderes Land. Hauptsache du schaffst es, deinen Leidenschaften Raum zu geben.

Das Buch zur Scanner Persönlichkeit

Scanner PersönlichkeitSehr ans Herz legen möchte ich dir Barbara Shers Buch »Du musst dich nicht entscheiden, wenn du 1000 Träume hast«.*  Es hat mir einfach die Augen geöffnet, dass es nicht nur möglich ist, meine vielen Leidenschaften auszuleben, sondern tatsächlich völlig in Ordnung. Ich muss mich nicht rechtfertigen. Außerdem gibt sie wunderbare Tipps für jeden Scanner Typen, ein erfülltes Leben zu führen.
Ich habe es als Hörbuch mit dem Audible Probemonat* kostenlos gehört, und obwohl ich absolut kein auditiver Lerntyp bin, konnte ich problemlos zuhören. Angenehme Stimme, kurze, prägnante Kapitel und bei jedem dritten Satz dieses »Ja. JA. Genau so geht es mir auch!«-Gefühl.

 

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2 Comments

  1. Hallo Laura!
    Danke für diesen wunderbaren Beitrag, er trifft den Nagel auf den Kopf. Tatsächlich hab ich von der Scanner-Persönlichkeit bis heute nicht gehört. Aber ich erkenne mich absolut wieder! Und auch ich habe es als Schwäche gesehen. Viele Interessen und doch in keinem davon ein Experte. Von Da Vinci also weit entfernt. 😀 dennoch ist es schön zu lesen, dass es sich nicht lohnt, diesen Wesenszug abzutrainieren, sondern sich das im Leben zuzugestehen, was einen glücklich macht. Ich habe seit einiger Zeit beschlossen, mich auf ein Hobby zu spezialisieren, aber dennoch viele Interessen nebenher zu pflegen. Dank dir fühle ich mich darin bestärkt, dass das der richtige Weg ist. 🙂 Ich freue mich schon auf weitere Beiträge von dir!

  2. Hallo Laura,

    es ist immer schön zu sehen, dass es noch mehr Menschen gibt, die einem selbst ähnlich sind.

    Ich freue mich schon drauf noch mehr auf deinem Blog herumzustöbern.

    Liebe Grüße,

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